Kray!

„Okay, wir sind nicht mehr ganz frisch“, sagt die Band aus dem Ruhrgebiet über sich. Ein Grund mehr, ein authentisches Album mit dem Titel „Von Narben & Falten“ (2018) zu veröffentlichen. Das zweite Album der Band blickt mit zwölf Songs aus unterschiedlichen Winkeln auf die Zeiterfahrung und liefert damit „die Musik zu unserem Film“.

Die sechs Bandmitglieder kennen sich zum Teil schon ihr halbes Leben und dieses Gefühl von Vertrautheit schwingt auch in ihren Stücken mit. Dabei zieht sich eine rote Linie durch die Kompositionen: entspannte Lässigkeit – trotz oder gerade wegen all der Narben und Falten. Das bringt die Band dann auch mit dem Titel „Alter macht jünger“ auf den Punkt. Und nur, dass man sie nicht falsch versteht – sie haben keine Probleme mit dem Älterwerden und dem Scheitern auf dem Weg dorthin. Das ist alles schon „OKAY so“, um einen weiteren Titel zu zitieren.

Außerhalb der Band sind sie Filmkomponisten, Produzenten, Marketeers und Kreative
und leisten sich mit kray! seit 2003 ihre persönliche Auszeit vom Alltag in der Gegenstromanlage.

Zeit ist somit für dieses Sextett aus dem Westen auch kein wichtiger Faktor. Sie kommt und „Kray!“ nimmt sich davon einfach soviel sie brauchen, um das zu machen, was jeden einzelnen der Jungs in den letzten Jahrzehnten leidenschaftlich begleitet hat: Musik (u. a. bei den „Bellicoons“ und „Me & the heat“)

Als „Generation Babyboomer“ stehen sie exemplarisch für die Altersgenossen, die sich locker machen, aber auch irgendwie zwischen den Stühlen sitzen. Zu reif für den immer absurder werdenden Jugendwahn der Spaßgesellschaft und zu jung für die „früher-war-alles-besser“ Lamentos der Altvorderen.

Ihr erstes Konzert gaben kray! am 18.07.2010 auf der voll gesperrten A40 im Rahmen des Kulturhauptstadt Jahres, wo 3 Million Menschen die totale Entschleunigung feierten.
Aber mal ehrlich: Sind sie mit einem Gesamtalter von 275 Jahren nicht etwas zu alt, um sich aus dem Nichts auf die Bühne zu stellen?
„Eigentlich nicht!“, lacht Sänger Oliver, „nach Frank Schirrmacher (FAZ) ist der Newcomer der Zukunft 46 Jahre.“

„Jeder von uns hat in seinem normalen Leben einfach unheimlich viel zu tun und deshalb ist es umso wichtiger leidenschaftlich abzuschalten.“, sagt Gitarrist Stephen auf die Frage, was der Antrieb dafür war, zusammen Musik zu machen und ergänzt: “andere machen da vielleicht Sport, wir sitzen lieber in unseren Studios.“ „Experimentieren mit Sounds und Emotionen“ beschreibt es Marc, Herr über Knöpfe und Tasten.

„… vom Kopf ins Herz“ ist der passende Titel des ersten Albums der Band aus dem Ruhrgebiet, tragen die Einwohner der größten Metropole Deutschlands genau dieses Organ doch angeblich „auf der Zunge“.

Nach erstem Hören ihres Albums „… vom Kopf ins Herz“, das  2013 erschien, hat man allerdings nicht den Eindruck, dass es sich dabei um „Feierabend-Mucke“ handelt. „Das liegt sicherlich auch an unserer luxuriösen Position, denn wir müssen nichts und können alles. Wir sind independent im reinsten Sinne“, sagt Bassist Reinhard.

Die Männer haben die richtige Abfahrt genommen, müssen sich nichts mehr beweisen und sind ganz offensichtlich angekommen. Ihre Narben und Falten machen sie zu dem, was sie heute sind. Und daran lassen sie uns teilhaben – mit unvergleichlichem Ruhrpottcharme.

Diskografie

kray_2018_von-narben-und-falten_online_cover
Von Narben und Falten25.05.2018
kRAY! – …vom Kopf ins Herz
...vom Kopf ins Herz20.04.2011

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